Viel Grün für den Weinmarkt in Memmingen geplant

15.3.2022 Memmingen. Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes: Siegerentwurf von Landschaftsarchitekten aus Freising – Entwürfe bis 3. April in MEWO-Kunsthalle ausgestellt.

Rund 6.000 Fahrzeuge passieren täglich den Weinmarkt. Bis zum Jahr 2025 soll sich das geändert haben, und der Platz im Zentrum Memmingens wird bis dahin entsprechend eines Stadtratsbeschlusses frei vom motorisierten Individualverkehr.

Um die Aufenthaltsqualität auf dem Weinmarkt zu steigern, hat die Stadt im vergangenen Jahr ein Gutachterverfahren angeregt. Drei Landschaftsarchitektur-Büros wurden gebeten, Vorschläge zur Gestaltung des Weinmarkts einzureichen.

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung im Innenhof der MEWO Kunsthalle (v.l.): Oberbürgermeister Manfred Schilder, Patricia Hebel und Jürgen Huber (ghl) und Leitender Baudirektor Fabian Damm. (Fotos: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)

Eine Jury, der neben Baufachleuten und Stadtratsmitgliedern beratend auch Vertretende des Einzelhandels und Stadtmarketingvereins angehörten, kürte die Planung der Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Grabner, Huber, Lipp aus Freising einstimmig zum Siegerentwurf: Zahlreiche Bäume sollen zwischen Kramerzunft und Freiheitsbrunnen gepflanzt und mit Sitzgelegenheiten im Baumschatten kombiniert werden. Dazu soll ein „Bürgerforum“ nahe der Kramerzunft – zwei großflächige Sitz- und Liegeeinheiten – zum Verweilen, zu Begegnung und zum Gespräch einladen. Als Spielangebot für Kinder sollen dort auch drei Wasserfontänen entstehen.

Der Entwurf werde der historischen Bedeutung des Weinmarkts mit der Kramerzunft als Ort der Niederschrift der Zwölf Artikel gerecht und er harmoniere außerdem mit dem vielseitigen Angebot an Geschäften, Gastronomie und Dienstleistungen, würdigte Oberbürgermeister Manfred Schilder bei der Ausstellungseröffnung und Preisverleihung im Innenhof der MEWO-Kunsthalle. „Durch die Baumpflanzungen wird der Weinmarkt deutlich an Aufenthaltsqualität gewinnen“, betonte der Oberbürgermeister.

Bei der Planung für die Platzgestaltung sei es ihnen wichtig gewesen, die heute brandaktuelle historische Botschaft der Zwölf Artikel, die an diesem Ort verhandelt worden waren, in ein nutzbares Zeichen der Kommunikation, des Austausches zu setzen, erklärte Landschaftsarchitekt Jürgen Huber (ghl, Freising). Mit einer lockeren Baumsetzung soll zum einen das Stadtklima positiv geprägt werden, zum anderen sollen die Bäume die Platzseiten verbinden, die aktuell durch den Straßenverkehr getrennt sind. „Unter den Bäumen ist ein freies Flanieren zwischen den Stadträumen möglich“, beschrieb Huber.

„Durch die Baumpflanzungen wird der heute überwiegend steinerne Platz deutlich belebt“, würdigte Leitender Baudirektor Fabian Damm. Er betonte auch, dass im Entwurf durch eine geschickte Platzierung der Bäume für die Veranstaltungen auf dem Weinmarkt, wie Krämermarkt oder Weinfest, eine Lösung gefunden sei.

„Sichtlich sind die Standorte so gut gewählt, dass weiterhin alles möglich ist“, erklärte Damm. Er begrüßte zudem die Anregung für ein multifunktionales Sitzelement an der Kramerzunft als Treffpunkt für Jung und Alt. Damm dankte den teilnehmenden Büros für ihre Entwürfe. Gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten und Stadtplanern Grabner, Huber, Lipp werde nun die Neugestaltung des Weinmarkts entwickelt.

Die Arbeiten der teilnehmenden Büros sind bis 3. April in der MEWO-Kunsthalle während der Öffnungszeiten (Di-So 11-17 Uhr) zu besichtigen.

Projektbeschreibung des Büros ghl grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner (Freising):

Stadtgeschichte und Platzatmosphäre am Weinmarkt

Die qualitätsvolle Entwicklung der letzten Jahre am Weinmarkt, vom Verkehrsplatz zum Aufenthaltsort für Besucher und Stadtbürger, wird sensibel weiterentwickelt. Die historische Bedeutung, der klar gefasste Platzraum und die zahlreichen aktiven Nutzungen der Platzfläche sind besondere Rahmenbedingungen. Wenige, bewusst gesetzte Elemente integrieren und ergänzen bisherige Nutzungsmöglichkeiten und setzten bedeutende Spuren der Stadtgeschichte, Kramerzunft und Freiheitsbrunnen, in Beziehung.

„Bürgerforum“

Ein modulares System mit drei Plattformen interpretiert Orte des Dialoges nicht nur symbolisch. Das Forum vermittelt in Lage und Ausrichtung zwischen Kramerzunft und Freiheitsbrunnen und bietet Sitz- und Liegemöglichkeiten für alle Generationen. Die beiden Plattformen werden auch zueinander ausgerichtet und provozieren Kommunikation. Die Materialität nimmt Bezug auf die Holzarbeiten der historischen Kramerzunftstube. Kleine Wasserfontänen bieten Spielmöglichkeit für Kinder und begeistern an heißen Sommertagen auch alle Stadtbesucher. Das Bürgerforum bietet hierzu bequeme Zuschauerränge.

„neue Bäume“

Die Reduzierung der Verkehrsflächen ermöglicht lockere Baumsetzungen unter Berücksichtigung der oberirdischen (Veranstaltungen) und unterirdischen (Sparten) Zwangspunkte. Die freie Setzung unterschiedlicher lichtkroniger Baumarten reagiert flexibel auf diese Anforderungen, ermöglicht die freie Blickführung und Wahrnehmung der klaren Platzkanten der historischen Stadt. Auch in der Umsetzung ist eine stufenweise Realisierung möglich. Die Wahrnehmung und Atmosphäre des Platzes für Bürgerinnen und Bürger wird durch diese wenigen Elemente entscheidend verändert und charakterisiert und differenziert den Weinmarkt zur Besonderheit auch im Kontext der vorhandenen Platzabfolgen entlang des Stadtbachs.

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