Helfer aus Wangen im Hochwassergebiet und was man daraus lernen kann

21.8.2021 Wangen im Allgäu. Neuer Blick auf Hochwassergefahren notwendig – Helfer berichten von ihren Erfahrungen im Einsatz im Ahrtal.

Einsatzkräfte der Feuerwehr Wangen, der Einsatzleiter des THW Steffen Hartinger sowie Robert Haase, der sich als Privatmann im Hochwassergebiet im Kreis Ahrweiler zum Helfen gemeldet hatte, wurden jetzt von Oberbürgermeister Michael Lang empfangen und zu ihren Erfahrungen befragt.

Dabei ging es nicht nur darum, was die Männer und Frauen vor Ort erlebten und was ihnen von Betroffenen über die Katastrophennacht erzählt wurde. Vielmehr wurde immer wieder die Frage angesprochen, was aus so einem Vorfall gelernt werden kann.

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So zeigte sich bei allen Einsätzen, dass die Helferinnen und Helfer nicht nur deshalb sehr willkommen waren, weil sie zupackten und Keller vom Schlamm befreiten, Putz abklopften oder Schutt wegräumten.

Sie waren auch sehr gefragt als Zuhörer, weil die Menschen von ihren Erlebnissen berichten wollten, vielleicht auch mussten.

„Die Menschen brauchten Beistand, nicht nur technische Hilfe“, hieß es.

Ähnliches berichtete auch Robert Haase, der sich in einem Gewerbegebiet einfand von wo aus zwei Unternehmer den Einsatz der privaten Helfer organisierten. Die Helfer seien mit Shuttlebussen an die Einsatzorte gebracht und von dort auch geholt worden.

Die Fahrer hätten zwei Aufgaben gehabt: den Transport abzuwickeln und Informationen entgegenzunehmen und an die richtigen Stellen weiterzugeben.

„Wenn man den Eindruck hatte, irgendwo ist jemand traumatisiert und braucht Unterstützung, dann gab der Fahrer diese Information zum Beispiel an Seelsorger weiter“, sagte Haase.

Zu den traurigen Geschichten, die den Helfern erzählt wurden, gehört jene von einem bettlägrigen älteren Ehepaar, das ums Leben kam. Offenbar wussten die Rettungskräfte nicht von den beiden Personen.

Von allen Helfern wurde berichtet, dass es eine große Selbstverständlichkeit für alle gewesen sei zuzupacken, wobei jeder dort hinlangte, wo es gefragt war.

So zogen manchmal ganz junge Menschen die Organisation an einem Ort an sich und „dirigierten“ dann auch die Älteren. Je länger die Aufräumarbeiten gehen, desto mehr handwerkliches Geschick werde wohl notwendig sein.

Diese Botschaft komme auch bei Unternehmen an. So berichtete die Feuerwehr, von entsprechender Rücksichtnahme und besonderem Engagement der Arbeitgeber, wenn es um Freistellungen für den Einsatz geht.

Das Land Baden-Württemberg übernehme die Lohnfortzahlung hieß es. Auch Robert Haase kannte so einen Fall. Bei einer Kißlegger Firma hatte sich ein Mitarbeiter mit dem Wunsch gemeldet, im Katastrophengebiet zu helfen. Da habe der Chef beschlossen, dass ein kompletter Werkstattwagen auf den Weg geschickt wurde.

Inzwischen gebe es auch eine Plattform mit dem Titel bautmitauf.de. Dort können sich Unternehmen registrieren, die unterstützen wollen. Wer sich auf den Weg machen will, kann sich über helfer-shuttle.de informieren, wo er sich am besten einfindet.

Bereits zum dritten Mal sind derzeit Helfer des THW Wangen im Einsatz in Bad Neuenahr, sagte Steffen Hartinger. Beim ersten Einsatz im Juli sei es um die Küchenleitung und Herstellung von 3.000 Essen gegangen. Inzwischen seien Führung und Kommunikation gefragt.

Von der einzigen Feuerwache in dem Gebiet, die noch funktioniert, steuerte die Gruppe 1.600 Einsatzkräfte. Was ihnen und anderen Helfern die Arbeit erschwerte, waren die vielen Fehlmeldungen gewesen, die vor allem über die sozialen Netzwerke rausgegangen seien.

OB Lang dankte den Helfern für ihren Einsatz vor Ort. „Sie sind großartige Botschafter für Wangen!“ Man werde das Thema Hochwasser auf dem Hintergrund der Ereignisse im Ahrtal mit neuem Blick anschauen müssen. „Man braucht harte Kriterien zur Beurteilung, gerade wenn die Ereignisse das bisher Bekannte übersteigen“, sagte er.

Die Helfer aus Wangen im Allgäu










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