Fußgängerzone Lindau Insel: Gute Erfahrungen mit Pollern

26.6.2022 Lindau (Bodensee). Seit ziemlich genau einem Jahr herrschen in der Fußgängerzone auf der Lindauer Insel merklich weniger Verkehr und mehr Ruhe für Fußgänger. Dafür verantwortlich sind die versenkbaren Poller und fixen Sperrpoller in der Maximilianstraße und der Cramergasse. Jetzt hat die IHK Schwaben beantragt, dass auch Gewerbetreibende – ähnlich wie Bewohner – für die Einfahrt in die Fußgängerzone PINs auf Vorrat zum Absenken der Poller bekommen sollen.

Dazu wird der Hauptausschluss im Lindauer Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 5. Juli beraten und entscheiden. Entschieden wird dann auch, ob am Seehafen ebenfalls versenkbare Poller eingerichtet werden sollen.

Die Erfahrungen mit den versenkbaren Pollern sind gut: Im ersten Betriebsjahr gab es 19 Störungen, die in vielen Fällen mit der Stromversorgung zu tun hatten, aber auch auf Manipulation zurückgingen. Insgesamt verursachten diese Störungen Kosten von rund 400 Euro.

Auch Feuerwehr, Polizei, THW und BRK haben mit den beiden versenkbaren Pollern keine negativen Erfahrungen gemacht. Sie können bei Bedarf die Poller telefonisch öffnen, zusätzlich gibt es dafür fünf Fernbedienungen.

Für Bewohner funktioniert nach anfänglichen Bedienungsfehlern bei der Vergabe der PINs inzwischen alles reibungslos. Handwerker bekommen eine Handwerkerparkkarte und einen PIN, bis diese Karte abgelaufen ist. Für das Befahren gab und gibt es eine Auflage: Nach der Lieferzeit darf nur zum Be- und Einladen in die Fußgängerzone gefahren werden. Parken ist nur im Notfall drei Stunden lang mit Parkscheibe erlaubt.

Wenn Gewerbetreibende eine Begründung hatten, erhielten sie eine Jahresausnahmegenehmigung und eine PIN. Als Grund zählte nicht die Belieferung oder Müll zu entsorgen. In diesen Fällen wurde der Antrag abgelegt und auf die allgemeinen Lieferzeiten hingewiesen.

Unterm Strich funktionieren die versenkbaren Poller nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen für alle Beteiligten weitgehend ohne großen Probleme. Die fixen Sperrpoller in den Seitengassen haben unerlaubtes Zufahren außerhalb der Lieferzeit deutlich reduziert, die Fußgängerzone beruhigt und die Sicherheit für Fußgänger verbessert.

Allerdings wurden die fixen Sperrpoller am Anfang nicht nur kritisiert, sondern auch gestohlen und sogar aus der Verankerung gerissen. Die konkrete Kritik von Handwerkern, Bewohnern oder Besitzern von Hotels und Gewerbetreibenden richtete sich unter anderem gegen erschwertes Einfahren, geringere Flexibilität, längere Wege und den reduzierten Komfort für Gäste. Dem begegnete die Verwaltung mit geeigneten Stellen zum Be- und Entladen.

Gerade wegen der Flexibilität hat nun die IHK Schwaben einen Antrag für Notfälle gestellt. Bisher hatte die Straßenverkehrsbehörde das abgelehnt. Bei begründeten Ausnahmen und im Notfall bekamen Gewerbetreibende für 20 Euro einen einmaligen PIN. Inzwischen vertritt die Behörde die Auffassung, so wie von der IHK vorgeschlagen, den Gewerbetreibenden entgegenkommen zu können: Pro Jahr könnten dann für Notfälle höchstens vier PINs auf Vorrat vergeben werden.

In Sachen Beruhigung der Fußgängerzone auf der Lindauer Insel könnten auch der stark frequentierte Fußgängerbereich am Seehafen mit versenkbaren Pollern ausgestattet werden. Für das Haushaltsjahr 2022 Jahr stehen dafür bei der GTL (Garten- und Tiefbaubetriebe Lindau) 50.000 Euro zur Verfügung. Fixe Poller in den Seitengassen gibt es dort bereits. Allerdings wird am Seehafen noch zu jeder Tageszeit geliefert und Handwerker nutzen diesen Bereich sogar zum Parken. Dort gibt es aktuell noch keine offiziellen Lieferzeiten.

Zu den gemachten Erfahrungen mit dem Thema Poller gehört auch, dass die Betroffenen teilweise nicht ausreichend eingebunden wurden. Daher möchte die Verwaltung nun im Vorfeld auf die Hotel- und Gewerbetriebe am Seehafen zugehen und diese umfassend beteiligen. So sollen dann gemeinsam mit der LTK (Lindau Tourismus- und Kongress GmbH) und der IHK Lösungen gefunden werden, die für die Betroffenen praktikabel sind. Konkret geht es darum, Lieferzeiten festzulegen und Rahmenbedingungen für die spätere Installation von versenkbaren Pollern zu erarbeiten.

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